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Samstag, 22. Mai 2010

Eichmann, Peres und die Atombombe

Brisante, wenn auch nicht neue Geschichte in der "jungen Welt":

Die Mossad-Mär
Von Gaby Weber


Am 22. Mai 1960 wurde der Kriegsverbrecher und Nazi Adolf Eichmann in Israel gefangengenommen. Seine Verhaftung hatte wohl weniger mit seiner Nazivergangenheit zu tun als mit seinem Wissen über eine Atomconnection zwischen BRD, Israel und Argentinien.
In Argentinien weilten also deutsche Atomwissenschaftler, die schon an Hitlers Atomprojekt mitarbeiteten. Von denen wollte Schimon Peres Know-how. Zunächst hatte er versucht, die Franzosen zur Entwicklung der israelischen Atombombe zu bewegen. Sie bauten in der Negev-Wüste das Kernkraftwerk Dimona, das über einen nicht zugänglichen unterirdischen Bereich verfügt. Doch Frankreichs Staatschef Charles de Gaulle gab dem Druck aus Washington nach und ließ die Israelis mit ihren atomaren Wünschen alleine. Ende der 50er Jahre wandte sich Peres an die argentinische Atomkommission, damals unter militärischer Leitung, sowie an Adenauer und seinen ersten Atomminister (danach Verteidigungsminister) Franz Josef Strauß. Man verfolgte die gleichen Interessen. Die in Argentinien forschenden deutschen Nuklearwissenschaftler halfen Peres, und Adenauer spendete dem Chaim-Weizman-Institut im Jahr 1960 drei Millionen D-Mark für die nukleare Kooperation. Erst fünf Jahre später sollten Tel Aviv und Bonn diplomatische Beziehungen aufnehmen.Blocksatz
Die alte NaZionistische Connection:
Wie aus den Unterlagen des Auswärtigen Amtes und des Bundesarchivs in Berlin und Koblenz hervorgeht, koordinierte Eichmann zunächst die jüdische Emigration nach Palästina. Mitte 1933 hatten zionistische Organisationen den Haavara-Vertrag mit der Regierung Adolf Hitlers abgeschlossen, über den jüdisches Kapital aus Deutschland nach Palästina transferiert werden sollte. Während Antifaschisten wegen der sofort einsetzenden Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung zu einem weltweite Boykottbewegung deutscher Produkte aufriefen, sprachen sich die Vertreter des Zionismus auf jüdischen Kongressen gegen diesen Boykott aus und vertrieben Waren »made in Germany« im Nahen Osten. Eichmann reiste für den Sicherheitsdienst (SD) nach Kairo und Palästina, um diese Kontakte zu intensivieren. Als Leiter der »Zentralstelle für jüdische Auswanderung« im besetzten Wien und dann in Berlin ging er mit Terror gegen die jüdischen Bewohner vor, von »freiwilliger« Auswanderung war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr die Rede. Der Naziterror ließ die Auswandererzahlen emporschnellen. Letzteres war auch im Interesse der Zionisten.

Der SPÖ-Parteisekretär Heinz Fischer wollte einst die dubiose Figur Simon Wiesenthal untersuchen lassen, der auch die unglaubwürdige Story von der Entdeckung des argentinischen Aufenthaltsort Adolf Eichmanns in die Welt gesetzt hat.

Heute ist der Präsident Heinz Fischer auf gutem Fuß mit dem Vater der nazionistischen Atombombe:

Montag, 26. April 2010

Der Mossad und die deutschen Geheimdienste


Gehlens Erben und die «Blaumeise»
Der Mossad und die deutschen Geheimdienste kooperieren seit den späten 1950er Jahren eng

Als im Oktober 1991 eine als land- und forstwirtschaftliches Gerät getarnte Lieferung von Material der ehemaligen NVA im Hamburger Hafen von der Wasserschutzpolizei entdeckt wurde, für die BND-Mitarbeiter verantwortlich waren und deren Zielort Israel sein sollte, war das Erstaunen in Presse und Öffentlichkeit groß. Von Waffenschmuggel und illegalen Rüstungsgeschäften war die Rede. Es kam sogar zum Gerichtsprozess gegen zwei BND-Männer, der jedoch mit einem Freispruch endete. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass es sich um einen politisch gewollten und keineswegs unüblichen Vorgang handelte, bei dem es quasi lediglich zu Formfehlern gekommen war. Gab es da etwa einen Aspekt der deutsch-israelischen Beziehungen, welcher der Allgemeinheit bislang verborgen geblieben war?

In der Tat ist dieses bilaterale Verhältnis - von Städtepartnerschaften und Jugendaustausch über Wissenschaftskooperation bis hin zu diplomatischen Kontakten - wie kaum ein anderes öffentlich beleuchtet worden. Häufig wurde es hierbei als eine Einbahnstraße dargestellt: Deutschland als Geber, Israel als Nehmer. Die Wenigsten wussten jedoch darüber Bescheid, dass es auch im Sicherheitsbereich seit langem eine enge Zusammenarbeit gab, von der nicht zuletzt die Bundesrepublik enorm profitierte. Denn diese Partnerschaft wurde lange Zeit geheim gehalten. Die Gründe dafür lagen zum einen in der Natur der Sache selber. Zum anderen war die Zusammenarbeit mit hohen politischen Risiken versehen, denn die BRD wollte ihr Verhältnis zu den arabischen Staaten nicht aufs Spiel setzen und Israel wollte einen Aufschrei ob der sensiblen Kontakte mit den Deutschen in der eigenen Bevölkerung vermeiden.

«Kooperieren mit dem Teufel!»

Die Zusammenarbeit zwischen BND und Mossad begann 1957 und kam wahrscheinlich auf Initiative des Chefs des deutschen Auslandsnachrichtendienstes, Reinhard Gehlen, zustande. Möglicherweise wurde der erste Kontakt über die damalige israelische Mission in Köln aufgenommen, deren Aufgabe in der Umsetzung des Luxemburger Abkommen über die so genannte «Wiedergutmachung» bestand und in der auch ein einfacher Mossad-Mitarbeiter stationiert war. Die Voraussetzungen für weitere Kontakte waren jedoch keineswegs einfach: Auf israelischer Seite waren die Vorbehalte gegenüber Gehlen, der während des Dritten Reichs Chef des Wehrmachtsdienstes Fremde Heere Ost gewesen war, groß. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass der BND von alten Nazis geradezu durchsetzt war. Einige arbeiteten als inoffizielle Mitarbeiter in arabischen Ländern, wo sie häufig mit offenen Armen empfangen worden waren. Zudem unterhielten Israel und die BRD trotz des Luxemburger Abkommens von 1952 keine offiziellen diplomatischen Beziehungen.

Andererseits sah der damalige Mossad-Chef, Isser Harel, die Notwendigkeit, mit den Westdeutschen zu kooperieren, da Israel jeden Verbündeten brauchte und es sich nicht leisten konnte, aus moralischen Gründen oder persönlichen Emotionen heraus eine Zusammenarbeit abzulehnen, die für die Sicherheit des jungen Jüdischen Staates wichtig sein konnte. Dies bedeutete natürlich nicht, dass man die Vergangenheit vergessen wollte. Doch setzte sich nach zahlreichen internen Querelen beim Mossad schließlich die pragmatische Linie Harels durch, die er gegenüber seinen eigenen Leuten lautstark mit den Worten zusammenfasst haben soll: «Für die Sicherheit Israels kooperieren wir sogar mit dem Teufel.»

So waren nicht zuletzt für den Mossad auch Erkenntnisse der deutschen Seite wichtig, die diese durch ihre Informanten in arabischen Ländern sammelte. Umgekehrt hatten die Deutschen den Beitrag des Mossads zum erfolgreichen Sinai-Feldzug Israels 1956 wahrgenommen und wussten um dessen Netz von Agenten in Osteuropa. Sie benötigten dringend Informationen über die DDR und die anderen Staaten des Warschauer Paktes. Dies umso mehr, nachdem der BND durch den Verrat seines langjährigen Mitarbeiters Heinz Felfe einen Großteil seiner geheimen Quellen im Ostblock verloren hatte.

Gehlen beauftragte seinen Vertrauten, General Wolfgang Langkau, der auch Verbindungsoffizier des BND für den Kontakt mit den Israelis war, den deutschen Auslandsnachrichtendienst neu aufzubauen. Bis aber neue Agentennetze geschaffen werden konnten, musste der Mangel an Quellen durch eine intensivierte Kooperation mit einem anderen Dienst überbrückt werden, der in der Lage war, den BND mit aktuellen Informationen zu versorgen, die dieser dann der Regierung als seine eigenen präsentieren konnte. Die britischen und französischen Dienste kamen dafür nicht infrage, da sie zum einen mit Konflikten, die sich aus dem Rückzug aus den Kolonien ergaben, beschäftigt waren, zum anderen den Deutschen nicht trauten und diese auch aus den nachrichtendienstlichen Beziehungen zu afrikanischen Staaten heraushalten wollten, welche im Kontext des Kalten Kriegs zunehmend an Bedeutung gewannen. In eine erneute Abhängigkeit von den Amerikanern hingegen - die ja seinen Dienst mitgegründet hatten und von denen er sich erst einige Jahre vorher emanzipiert hatte - wollte Gehlen sich nicht begeben. So fiel die Wahl auf die Israelis. Der BND war vor allem an einer ganz besonderen Quelle des Mossads interessiert: den Befragungen von jüdischen Emigranten, die aus den Warschauer-Pakt-Staaten nach Israel kamen.

BND auf dem Prüfstand

Harel wusste allerdings, dass der westdeutsche Dienst von sowjetischen Agenten infiltriert war, und er hatte auch Vorbehalte wegen der Kontakte des BND zu arabischen Staaten. Deshalb entschied er sich dafür, die Deutschen zunächst einmal auf die Probe zu stellen. So ließ er sie gewisse Informationen beschaffen, die dem Mossad bereits vorlagen, ohne dass die deutsche Seite dies wusste. Auch ließ er den BND im Rahmen diverser Operationen Mossad-Mitarbeiter in osteuropäische Länder hinein- und hinausschmuggeln und bei der Organisation der Einwanderung von Juden aus diesen Ländern nach Israel helfen. Die Ergebnisse stellten ihn anscheinend zufrieden, denn er beschloss, die Zusammenarbeit mit dem BND zu vertiefen. So wurde der erste Mossad-Verbindungsoffizier, Chaim Yizchaki, nach Deutschland geschickt, um in der Israelischen Mission als Chauffeur getarnt zu arbeiten. Im Winter 1960/61 kam es dann zum ersten Besuch Harels im BND-Hauptquartier in Pullach.

Gehlen bot dem Mossad, der im BND-Jargon den Decknamen «Blaumeise» bekam, unter anderem operative Freiheit auf deutschem Boden sowie Unterstützung an. Er soll den Israelis sogar Kopien oder zumindest Ausschnitte des täglichen Lageberichts seines Dienstes an den Bundeskanzler offeriert haben. Im Gegenzug verlangte er vom Mossad Informationen über die Warschauer-Pakt-Staaten.

In der Folgezeit kam es zu immer häufigeren Besuchen anderer Mossad-Offiziere in Pullach. Beauftragt mit der Verbindung zu den Israelis wurde General Langkau, bekannt unter den Decknamen Langendorf oder Holten. Er schätzte die Professionalität und Verlässlichkeit der israelischen Informationen sehr und entwickelte gute persönliche Beziehungen zu Harels Nachfolger Meir Amit. Auf israelischer Seite war der Mossad-Resident in Paris, Shlomo Cohen, für den Kontakt zum BND verantwortlich.

Cohen verstand sich darauf, Personen für eine nachrichtendienstliche Arbeit anzuwerben, sie jedoch dabei im Glauben zu lassen, sie arbeiteten für ein anderes Land. So rekrutierte er einige arabische Diplomaten in Bonn und ließ sie glauben, dass sie für die NATO oder sogar die Deutschen arbeiten würden. Der BND duldete dies gemäß der Vereinbarung zwischen Gehlen und Harel - und unterstützte wo nötig. Diese Operationen «unter falscher Flagge» halfen dem Mossad, wertvolle Informationen über arabische Staaten zu gewinnen. Gerade die Beschaffung aus arabischen Ländern war nach dem Rückzug der Franzosen und Briten aus dem arabischen Raum schwieriger geworden, da man als Ausländer aus dem Westen nicht mehr so einfach operieren konnte und das damit erhöhte Risiko, enttarnt zu werden, auch eine Gefahr für die lokalen jüdischen Gemeinden bedeutete.

Von deutscher Seite kamen neue kooperative Leistungen hinzu. Selbst ehemalige Nazis wie Otto Skorzeny, Hitlers Offizier für besondere Operationen, Befreier Mussolinis aus dessen Gefangenschaft auf dem Gran Sasso und später mutmaßlicher Kopf der Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen (ODESSA), wurde als Waffenhändler mit Sitz in Madrid vom Mossad eingespannt. Auch diente er den Diensten mit Informationen aus dem Umfeld ehemaliger Nazis. Einige von ihnen arbeiteten später sogar auf die eine oder andere Weise mit dem Mossad zusammen - nach der Entführung Adolf Eichmanns nicht zuletzt auch aus Furcht vor dem israelischen Geheimdienst.

Operation «Damokles»

Die operative Freiheit auf bundesdeutschem Boden nutzte der Mossad unter anderem, um gegen deutsche Wissenschaftler vorzugehen, die im Dritten Reich am V2-Programm in Peenemünde mitgearbeitet hatten und in den 1950er Jahren von Ägypten angeworben worden waren. Jene Forscher sollten nun ein hochwirksames Raketenprogramm für Präsident Nasser entwickeln. Aus Israels Sicht waren die Raketen, die in Ägypten unter deutscher Leitung hergestellt wurden, deren Technologie jedoch an Instituten in der BRD entwickelt wurde, eine unmittelbare Bedrohung. Harel gab die Order aus, die Wissenschaftler zu finden und sie davon abzuhalten, diese Arbeit fortzuführen. Durch seine Recherchen kam der Mossad auf eine ägyptische Tarnfirma namens «Intra-Händel» in Stuttgart, welche die Zusammenarbeit mit den deutschen Wissenschaftlern koordinierte und Material für das Raketenprogramm lieferte. David Ben-Gurion lehnte es jedoch ab, direkt bei Kanzler Adenauer zu intervenieren, da er die damals gleichzeitig laufenden deutschen Waffenlieferungen an Israel nicht aufs Spiel setzen wollte. Stattdessen leitete der Mossad Maßnahmen ein, die unter dem Namen Operation «Damokles» bekannt sind. Bis 1965/66 hatten die meisten deutschen Wissenschaftler Ägypten verlassen. Im Yom-Kippur-Krieg kamen die mit deutscher Hilfe entwickelten Raketen zwar noch zum Einsatz. Sie konnten jedoch nicht den befürchteten und für den Kriegsausgang entscheidenden Schaden anrichten, da ihnen ein Navigationssystem fehlte.

Der BND war in Bezug auf Israel auch in anderer Hinsicht aktiv: bei der Abdeckung und Abwicklung geheimer Rüstungslieferungen aus der BRD. Die Aufgabe der Dienste bestand darin, darauf zu achten, dass die Lieferungen selbst gegenüber befreundeten Staaten geheim blieben. Zu diesem Zweck verzichtete man nach Möglichkeit auf Schriftliches, ließ die Gelder über Bankkonten fließen, welche von Agenten beider Dienste unterhalten wurden, und entfernte alle Markierungen, die darauf hindeuteten, dass die Waffen aus der BRD kamen.

Ein besonderes Kapitel deutsch-israelischer Geheimdienstbeziehungen ist auch der umfangreiche wehrtechnische Austausch. Die Israelis hatten über die Jahre hinweg zahlreiche Waffensysteme sowjetischer Bauart von ihren arabischen Gegnern erbeutet. Mit solchen oder ähnlichen Systemen sah sich die BRD im Konfliktfall mit dem Warschauer Pakt konfrontiert. Es galt folglich, in ihren Besitz zu gelangen, um sie testen zu können und die eigenen Waffensysteme dementsprechend anzupassen beziehungsweise weiterzuentwickeln. Die Abwicklung des Austauschs oblag den Nachrichtendiensten. Nicht zuletzt wurde der BND von deutscher Seite damit betraut, um im Falle eines Bekanntwerdens das Kanzleramt von jeglichen Vorwürfen der Mitwisserschaft zu entlasten. Ein solcher Fall trat im eingangs erwähnten Skandal um die über den Hamburger Hafen abgewickelten Lieferungen auf.

«Cerberus» und Bargeldkoffer

Die Abwicklung von «Cerberus», einem der geheimsten Rüstungsprogramme der BRD lief ebenfalls über die Geheimdienste. Es handelte sich hierbei um die Entwicklung eines Radarstörsenders für die Tornados der Bundeswehr durch Israel - ein System, das in den Worten eines ehemaligen BND-Präsidenten «für Aufklärungs- und Kampfzwecke unerläßlich» war. Die Bedeutung von «Cerberus» geht nicht zuletzt daraus hervor, dass die Finanzierung durch den BND zumindest in den ersten Jahren abgewickelt wurde, indem Beamte des Dienstes sprichwörtlich mit Bargeld in Koffern nach Israel reisten. Der Name des Systems tauchte nicht einmal im Haushaltsplan der Bundesregierung auf.

Selbst auf dem hochsensiblen Gebiet der Gegenspionage arbeiteten der deutsche Auslandsnachrichtendienst und der Mossad eng zusammen. 1970 reisten beispielsweise Mitarbeiter der BND-Unterabteilung für Sicherheit nach Israel, um dort ehemalige jüdische Mitarbeiter des polnischen Nachrichtendienstes UB zu befragen. Diese waren nach der Antisemitismuswelle von 1968 übergelaufen. Durch die Befragungen konnte die KGB-Agentin Ursula Bulla, frühere Sekretärin des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Wilhelm Mellies, enttarnt werden.

Gemeinsam hörten die Dienste mitunter auch verschlüsselte Botschaften von arabischen Staaten ab. Dabei kam es dann zu einem intensiven Austausch zwischen Kryptographieexperten beider Seiten. Der Mossad hatte mehr technische und sprachliche Erfahrungen in diesem Bereich, die Deutschen hingegen größere Kapazitäten. BND- und BfV-Mitarbeiter wurden in arabischen Familien in Israel untergebracht, um ihre Sprachfähigkeiten im Arabischen zu verbessern.

Im Mai 1972 fand im Flüchtlingslager Badawi im Libanon auf Einladung palästinensischer Organisationen eine internationale Konferenz von Terroristengruppen statt. An dieser Konferenz nahmen auch RAF-Mitglieder teil, die in den Folgejahren mit palästinensischen Terrorgruppen zusammenarbeiteten. Der Mossad erfuhr von der Teilnahme der deutschen Terroristen und beschloss, seine guten Kontakte zum BND zu benutzen, um mehr über die Aktivitäten der PLO in Europa zu erfahren. In der Folge kam es auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz.

Mit dem aus dem Nahen Osten nach Europa schwappenden Terrorismus waren die deutschen Dienste vollkommen überfordert, wie der Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft und ihre anschließende Ermordung 1972 in München zeigte. Israel intensivierte in der Folge seinen Informationsaustausch mit dem Verfassungsschutz. Vom BND erhielten die Israelis im Gegenzug Informationen über die Unterstützung palästinensischer Terrorgruppen durch den Ostblock. Der Verfassungsschutz stellte einen direkten Kontakt her zwischen David Kimche und dem Chef des Bundeskanzleramts, Manfred Schüler, der ab 1975 auch für die Koordination der bundesdeutschen Nachrichtendienste zuständig war. Es wurde vereinbart, dass Schüler regelmäßig Unterrichtungen des Mossad über die Terrorszene erhalten sollte, die er dann an Kanzler Schmidt weiterleitete. So kam es, dass die deutsche Seite es auch tolerierte, wenn der Mossad Informanten aus dem Milieu palästinensischer Studenten in der BRD rekrutierte.

Auf den Spuren der RAF

Im Januar 1976 wurden drei palästinensische Terroristen in Nairobi festgenommen, die geplant hatten, eine El Al-Maschine bei der Landung auf dem Flughafen mit Raketenwerfern zu beschießen. Die kenianischen Behörden waren vom Mossad gewarnt worden, der wiederum die Informationen von Quellen aus dem Sympathisanten-Umfeld der RAF erhalten hatte. Die Festnahme der Palästinenser wurde geheim gehalten. Kurz darauf kamen zwei deutsche Terroristen, Brigitte Schulz und Thomas Reuter, in Nairobi an, um herauszufinden, was aus ihren palästinensischen Kollegen geworden war. Auch sie wurden von den Kenianern festgenommen und wie die Palästinenser zuvor dem Mossad übergeben, der sie nach Israel ausflog. Informationen aus dem Verhör wurden schließlich dem Verfassungsschutz übergeben. Ebenso erhielten die Deutschen später einen Teil der Unterlagen über das Training deutscher Terroristen in palästinensischen Lagern, welche die Israelis bei ihren Operationen im Libanon 1978 und 1982 erbeuten konnten. Diese Dokumente halfen den bundesdeutschen Behörden dabei, bekannte RAF-Terroristen zu verfolgen und bestimmte Unterschlupfmöglichkeiten und Waffendepots in der BRD ausfindig zu machen.

Der BND erfüllte für die Israelis auch die Funktion eines Kanals zu einem ihrer Hauptfeinde, mit dem bis heute keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten werden: dem Iran. Auf Vermittlung des BND und unter Aufsicht von Staatsminister Bernd Schmidbauer, dem damaligen Koordinator der deutschen Nachrichtendienste, verhandelten die Israelis Mitte der 1990er Jahre mit dem iranischen Geheimdienstminister, Ali Fallahian, im Bonner Kanzleramt über einen Austausch von gefangenen und gefallenen Soldaten. Nicht zuletzt ging es dabei auch um Informationen über das Schicksal des entführten israelischen Piloten Ron Arad. 1996 kam es zum ersten Austausch von gefangenen Hisbollah-Kämpfern und den sterblichen Überresten israelischer Soldaten. Weitere folgten.

Die Verhinderung der Proliferation von Massenvernichtungswaffen stellt ein weiteres Feld gemeinsamer Interessen der beiden Dienste dar. So hatten BND und Mossad schon Jahre vor dem Golfkrieg von 1991 Informationen über die Aufrüstung des Irak ausgetauscht. Doch hatte die deutsche Regierung vor der Besetzung Kuwaits nicht so recht an die Gefahr glauben wollen, die von Saddam Hussein ausging. Auch der israelische Außenminister, Moshe Arens, konnte im Dezember 1990 den deutschen Kanzler nicht von der Gefahr überzeugen, obwohl einige seiner Informationen aus deutschen Quellen stammten. Es bedurfte eines Besuches hochrangiger Mossad-Offiziere bei Kohl, um ihn schließlich dazu zu bewegen, Israel durch Rüstungslieferungen bei seiner Verteidigung zu unterstützen.

Gemeinsame Interessen bleiben

Die deutsch-israelische Zusammenarbeit im Bereich der Nachrichtendienste wird bis heute von einer Vielzahl gemeinsamer Interessen und gemeinsamer Bedrohungen motiviert. Sie kam vor allem deshalb zustande, weil jede Seite besondere Fähigkeiten oder Möglichkeiten hatte, über die der Partner nicht verfügte. Die Interessensüberschneidungen waren dabei so stark, dass man auch historisch-emotionale Hindernisse zugunsten pragmatischer Kooperation überwand. Veränderungen in der Bedrohungslage haben der Zusammenarbeit keinen Abbruch getan. Vor allem aber wurde diese Kooperation auch in Zeiten fortgeführt, in denen es auf offizieller diplomatischer und politischer Ebene Verstimmungen gab. Denn beide Seiten profitierten davon enorm. Auch in der Gegenwart sind beide Länder mit Gefahren für ihre Sicherheit konfrontiert: Internationaler islamistischer Terrorismus, Massenvernichtungswaffen und regionale Instabilität - um nur einige zu nennen. Als neue Herausforderungen werden sie die nunmehr seit fast fünf Jahrzehnten existierende Zusammenarbeit der Nachrichtendienste beider Länder auch in Zukunft ansprechen.

Yves Pallade


http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.473.html

Der jüdische Eichmann in Uruguay



Eigentlich ist es nicht Aufgabe von Journalisten, 47 Jahre später, die Täter einer Entführung zu ermitteln. Es sollte ausreichen, Material zu sammeln, das beweist, dass die offizielle Version nicht der Wahrheit entsprechen kann. Und das wurde ja bereits bewiesen, dass die Mossad-Version, den Kriegsverbrecher aus Argentinien entführt zu haben, nicht der Wahrheit entspricht. Aber es bleibt immer eine Portion Neugier: Wenn es nicht der Mossad war, wie kam dann Eichmann nach Israel?




Gehen wir von drei sicheren Annahmen aus:

1.- Das El Al – Flugzeug mit Eichmann an Bord landete in Israel am 22. Mai 1960 um 7.35 Uhr. Vermutlich hat Eichmann, der Organisator des Holocaust, das israelische Flugzeug nicht freiwillig betreten.


2.- Das El Al – Flugzeug hat den Flughafen in Ezeiza (Buenos Aires) am 20. Mai um Mitternacht verlassen.


3. Die El Al – Maschine, eine Bristol Britannia, musste mindestens zwei Zwischenlandungen einlegen, um Treibstoff zu tanken, eine in Dakar (Afrika), die zugegeben wird, und eine zweite, die die israelischen Behörden bis heute verschweigen.


Mehrere Indizien weisen darauf hin, dass Eichmann freiwillig mit einem Kleinflugzeug nach Uruguay gereist ist, um dort wichtige Gespräche zu führen. In Uruguay angekommen, wurde ihm eröffnet, dass gegen ihn Haftbefehl bestehe und er fortan kein freier Mann mehr sei, zehn Tage später wurde er in das El Al – Flugzeug gesetzt, das am Flughafen Laguna del Sauce (Punta del Este) zwischen gelandet war. Die Indizien:

a) Laut der Ein- und Ausreisepapiere von William Mosetti, Generaldirector von Mercedes Benz Argentina, Ex US-Geheimdienstagent, der Mann von Standard Oil und vermutlich beteiligt an der Überstellung Eichmanns nach Israel, ist in der Vorbereitungsphase mehrfach nach Punta del Este gefahren. (Archiv der argentinischen Migrationsbehörde)


b) Eichmann hatte vor seiner Abreise seiner Frau erzählt, dass er am 11. Mai einen wichtigen Termin ausserhalb von Buenos Aires wahrnehmen würde und dass, wenn er am Abend nicht zurückkehren würde, sie die Kameraden bei Mercedes Benz informieren solle. Dies tat sie dann auftragsgemäss und eine Suche nach ihm wurde eingeleitet. (Aktenvermerk von Daimler-Vorstandsmitglied und ehemaliger SS-Offizier Hanns Martin Schleyer vom 30. Mai 60, Firmenarchiv DaimlerChrysler)

c) Eichmann/ alias Klement ist aus Argentinien nicht legal ausgereist, sein Name steht auf keiner Passagierliste (Archiv der argentinischen Migrationsbehörde)

d) Am 11. Mai 60 verlässt nur ein einziges nicht-kommerzielles Flugzeug Uruguay Richtung Buenos Aires. (Innenministerium, Uruguay)


e) Dieses Kleinflugzeug war in den USA zugelassen und der Mann, der diese Piper-Apache am 28. Februar 56 erworben hatte, war der US Multimillonär H.L. Brown (Mitteilung der US Federal Aviation Administration, EEUU an mich).

f) H.L. Brown lebte in Texas, aber er unterhielt in Montevideo in der Strasse Rincón ein Büro im Hochhaus “Artigas” (das ihm gehörte), dort war jahrelang das US-Konsulat untergebracht. Das Flugzeug war seit 1957 permanent in Uruguay stationiert, musste dafür eine Sondergenehmigung besitzen. In Montevideo lebten der Sohn und der Schwiegersohn von H.L. Brown. Und wie es der Zufall will, war der Schwiegersohn bis 1942, als er eingezogen wurde, in der Rechtsabteilung von Standard Oil de New Jersey tätig und vertrat diese Firma auch in Venezuela.


g) Dieses Kleinflugzeug Piper ist am 11. Mai auf einem lokalen Flughafen in der Nähe von Eichmanns Wohnung gesehen worden, von wo aus es Richtung Uruguay davon flog. Es muss in Punta del Este gelandet sein (Laguna del Sauce oder Jahuel), weil es auf allen anderen uruguayischen Flughäfen - Carrasco, Carmelo, Melilla – nicht gelandet ist (Ministerio del Interior, Uruguay). Später tauchte es wieder in Montevideo auf, wo es im April 61 amtlich zugelassen wird. (Nationales Amt für Luftverkehr, Uruguay)


h) Die Bücher der Migrationsbehörde in Uruguay, in denen Ein- und Ausreise vermerkt sind, sind sauber und ordentlich geführt. Auch die Bücher über die Ein- und Ausreise über den Flughafen von Punta del Este sind seit 1959 komplett. Aber in den gebundenen Büchern ist eine „Lücke“, zwischen dem 1. April 1960 bis 61. “Komisch”, so der Kommentar des uruguayischen Innenministers, José Díaz, der mir die Archive seines Ministeriums öffnete. Díaz ist einer der historischen Anführer der Sozialistischen Partei Uruguays. Am 8. März dieses Jahres, einen Tag vor Besuch von George W. Bush in Uruguay, wurde er abgesetzt.


i) Laut des Flugplans der Piper von Uruguay nach Buenos Aires, den ich der uruguayischen Verteidgungsministerin zukommen liess, sassen in der Maschine der Pilot Enrique Frois, der Copilot J.A. B. Und ein Passagier Daniel Ferres – alle Uruguayer. Ferres war Reishändler und mit Brown, dem Besitzer der Piper, befreundet; Jahre später wollten ihn einmal die MLN-Tupamaros entführen. Der Pilot Frois (verstorben wie Ferres) unterhielt in Montevideo ein Lufttaxi-Unternehmen. Unter uruguayischen Piloten ist er als jemand bekannt, der an den „Todesflügen“ teilgenommen hat, mit denen während der Militärdiktatur Kinder zwischen Argentinien und Uruguay transportiert worden sind.


j) Der Copilot JAB gibt nicht zu, an dem Flug vom 11. Mai 1960 teilgenommen zu haben, wie es auf dem Flugplan steht. Aber er gibt zu, dass er in die uruguayischen Streitkräfte 1948 eingetreten sei. 1955 habe er ein Spezialkurs in Alabama, bei der US Airforce abgelegt. Am 22. April 60 ist er in den Generalstab der Luftwaffe befördert worden, also knapp drei Wochen vor Eichmann Verschwinden aus Argentinien. Im November 60 sei er in den „Obligatorischen Ruhestand“ versetzt worden.


Wurden die Uruguayer, eine Nation mit anti-faschistischer Tradition, mit dem Argument überredet, dass sie an einer anti-nazi-Aktion teilnehmen? Einen Kriegsverbrecher aus Argentinien locken, wo er geschützt wurde?

Vielleicht war dies die Motivation des Copiloten. Er schien mir, in den Gesprächen die ich mit ihm führen konnte, von aufrechter demokratischer Gesinnung zu sein. Er verlor 1973, beim Militärputsch, wegen seiner gewerkschaftlichen Betätigung seine Arbeitsstelle und flog ein paar Jahre bei dem Lufttaxi-Unternehmen Frois, bis er merkte, dass dieser heimlich Kinder für die Repression transportierte. Er kennt auch die Piper-Apache gut (eine „Porquería“, eine Scheissmaschine, vom technischen Standpunkt her gesehen, weil sie wegen ihrer Sonderausstattung zu schwer für ihre beiden Motoren geworden sei).

Aber hat sich die uruguayische Regierung, zu diesem Zeitpunkt bestehend aus mehreren konservativen Parteien, nie gefragt, warum diese Operation von US-Amerikanern geplant wurde, die enge Verbindungen zu US-Regierungsstellen und zur Erdölindustrie gehabt haben?

Ich habe der uruguayischen Verteidigungsministerin Azucena Berruti, die aus der Menschenrechtsbewegung kommt, nach der Beteiligung von Angehörigen der uruguayischen Streitkräfte an der Operation Eichmann gefragt und Dokumente zukommen lassen. Ich habe Präsident Tabaré Vázquez (Sozialist) gefragt, ob sich sein Land als Basis für eine ausländische Macht benutzen liess. Sie haben sich nicht geäussert.

Dies sind die Fakten. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden.

Der Mythos vom effizientesten Geheimdienst der Welt. Vom edlen Rächer zum moralischen Hochstapler?


Siehe auch die vorangegangenen Teile I und II:

Naziverbrecher Eichmann und Standard Oil 09.04.2007
http://de.indymedia.org/2007/04/172775.shtml

Der Pakt von Standard Oil mit den Nazis 12.04.2007
http://de.indymedia.org/2007/04/172951.shtml


Dokumentation auf labournet zu DaimlerChrysler in Argentinien:

http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/ar/index.html
http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/ar/buch.html



Der Pakt von Standard Oil mit den Nazis

Gaby weber 12.04.2007 23:48


US-Investmentunternehmen pumpten Kapital an Rhein und Ruhr, indem sie deutsche Anleihen auf dem US-Markt verkauften. Einer der wichtigsten war die „Union Banking Corporation“ von George H. Walker. Er nahm seinen Schwiegersohn, Prescott Bush, Grossvater des derzeitigen US-Präsidenten, in das Direktorium auf. Und der sollte glänzende Geschäfte mit den Deutschen machen, vor und nach 1933. Im Vorstand seiner „Walkers American Shipping und Commerce“ mit ihrer Nordatlantik-Route der Hamburg-America Linie saß Emil Helfferich, Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer- SS“ und bis Kriegsende Präsident der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft, der späteren ESSO, sowie der Vacuum Oil Company in Hamburg. Tragfähige Netzwerke also.

„Mit ihrem eigenem Geschäft fortzufahren ...“


Der geheime Pakt der Erdölindustrie mit den Nazis und warum Adolf Eichmann zum Schweigen gebracht werden musste




Gaby Weber

Die russische Oktoberrevolution hatte die Welt neu geordnet. Bis 1917 hatten die Europäer das Weltgeschehen bestimmt. Nun wollten US-Unternehmen mitmischen, vor allem John. D. Rockefeller, der 1870 Standard Oil gegründet hatte. 1879 übernahm er die Vacuum Company und viele andere, bis die US-Regierung seinen Trust 1911 zerschlug. Das Imperium zerfiel in Einzelunternehmen, Standard Oil of New York (SOCONY), Vacuum Oil usw. Aber die Rockefellers zogen weiter die Fäden.

Der Nahe Osten war damals kaum erschlossen, Erdöl wurde an zwei Orten gefördert: In Texas und in Baku, im Kaukasus. Die russischen Erdölfelder waren von den Familien Nobel und Rothschild beherrscht, bis zur Oktoberrevolution, als die Sowjets die Anlagen übernahmen, und sich die Besitzverhältnisse änderten. „Im Sommer 1918 floh der Nobel vor den Sowjets und flehte Kaiser Wilhelm auf Knien an, ihm zu helfen, alles wiederzuerobern“ – so der Berliner Historiker Dietrich Eichholtz. Aber an ein „Wiedererobern“ war mit einer entwaffneten Republik nicht zu denken.

Die Interessen Rockefellers deckten sich mit denen der Deutschen Bank. Nach dem Ersten Weltkrieg waren ihre Anteile an der „Türkischen Petroleum Gesellschaft“ als „Feindvermögen“ beschlagnahmt und den Franzosen übergeben worden. Sie verlor damit auch ihre Rechte auf die Bodenschätze beiderseits der Bagdad-Bahn. Jahrelang klagte sie erfolglos, bis sie einsah, dass sie an der juristischen Front nicht weiterkam und auf eine andere Front umsatteln musste. Sie suchte Verbündete in der amerikanischen Erdölindustrie. Um 1927 muss er geschmiedet worden sein, der Pakt von Standard Oil mit der Deutschen Bank: Adolf Hitler sollte an die Macht, um das Erdöl von Baku zu erobern. Den Treibstoff für diesen Krieg wollte Standard Oil bereitstellen.

Tatsache ist, dass 1927 Standard Oil und die IG Farben das Unternehmen „Standard IG Farben“ mit Sitz in den USA gründeten. Präsident wurde der texanische Ölhändler William Farish. Standard überließ der IG Farben die weltweiten Rechte für die Verflüssigung von Kohle zu Öl. Im Gegenzug erteilte der deutsche Konzern den Amerikanern das Patent für die Herstellung von Buna, synthetischem Gummi. 1927 wurde der junge Adolf Eichmann, Freund von Ernst Kaltenbrunner, bei der österreichischen Niederlassung der Vacuum Oil Company, Teil des Rockefeller Imperiums, eingestellt. Eine Verbindung mit Zukunft.

Während die europäischen Grossmächte ein Erstarken der deutschen Industrie verhindern wollten, schlossen die USA mit der Weimarer Republik Handelsverträge ab. Den Versailler Vertrag hat Washington nie ratifiziert.

Dass in Deutschland nach der Machtergreifung Juden verfolgt wurden, störte bei ihren Geschäften nicht. „Die Vereinigten Staaten waren tief gespalten, was unsere Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus anging“, so Professor Christopher Simpson von der American University in Washington DC, „die rechtsgerichtete Organisation ‚America First’ sympathisierte offen mit den Nazis. Sie stellte die Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung als „internes deutsches Problem“ dar und plädierte für Nicht-Einmischung.“

Bei „America First“ gaben die Dulles-Brüder den Ton an: John Foster Dulles, der spätere US-Außenminister, und Allan Dulles, der die CIA aufgebaut hatte. „America First“ verteidigte die Interessen der Firmen, die in Deutschland investiert hatten. Eine Kriegserklärung hätte deren Kapital gefährdet. „Mehrere US-Investmentfonds hatten sich auf Kapitalanlagen in Deutschland spezialisiert“, so Simpson, „sie kauften jüdisches, „arisiertes“ Eigentum, denn dies versprach astronomische Gewinne und sie beauftragten dieselben Anwälte, die sich um die im 1. Weltkrieg beschlagnahmten Güter gekümmert hatten und wussten, wie Kapitalanlagen in Kriegszeiten mit Strohmännern zu tarnen waren.“

Nach 1933 lief alles nach Plan. Die Deutsche Bank mischte sich über ihre Petroleum AG wieder ins Erdölgeschäft ein. Da sie aber in diesem Metier wenig erfahren waren, brauchten sie Partner mit Know How. Ein Aktenvermerk der Bank vom 15. März 1935 hält fest: „Die Deutsche Petroleum AG (hat) Konzessionen für Erölbohrungen erworben und (will) ölhöffige Gebiete mit Staatszuschuß erbohren. Sie (will) noch die Royal Dutch Shell und die Vacuum Oil Company unterbeteiligen und zwar gegen Beteiligung an den eventuell entfallenden Ölen, so daß sich ihr Risiko hieraus ausserordentlich verringert, allerdings auch der Gewinn bei Fündigwerden.“

Anteile an der Royal Dutch Shell halten das britische und niederländische Königshaus und Vacuum Oil Company bedeutet: Standard Oil. Der geheime Pakt teilte also Risiken und Gewinne der neuen Erdölvorkommen.

Diese Verbindung brach nicht mit dem Kriegseintritt der USA ab. Die Vacuum Oil Company wollte sogar bei der Einnahme von Irak und Iran behilflich sein. „Ziel unseres Vormarsches wird neben der Besetzung der Länder Irak, Syrien und Palästina der Suez-Kanal und der Persische Golf sein“, vermerkte der „Bevollmächtigte für die arabischen Länder“ im Berliner „Auswärtigen Amt“ am 5. Februar 1942, „vorbereitet werden muß die Übernahme der Erdölanlagen Arabiens und Irans. Ein Stab aus Fachleuten unter Leitung des Geologen Dr. Schmidt, von der Vakuum-Oil-Company in Hamburg, wird zusammengestellt und die erforderlichen Materialien, insbesondere Bohrgeräte, bereitgestellt.“

Das Hauptproblem der Wehrmacht für den Vorstoss im Kaukasus war, wie schon im Ersten Weltkrieg, der Treibstoff für Panzer und Flugzeuge. Zwar konnte man dank der Patente von Standard Oil aus heimischer Kohle Benzin gewinnen. Doch der Bedarf war bei weitem größer.

Der US-Regierung bereitete die Allianz von Standard Oil mit den Nazis Sorgen, vor allem nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, dem Grund für die Kriegserklärung im Dezember 1941. Washington griff auf das Gesetz über den verbotenen „Handel mit dem Feind“ zurück und eröffnete gegen Standard Oil ein Ermittlungsverfahren. Die Firma soll der US-Navy Patente für Buna und Aluminium vorenthalten und deutsche U-Boote und Flugzeuge betankt haben. John D. Rockefeller wollte davon nichts gewusst haben und Farish verweigerte die Aussage, wies den Staatsanwalt aber darauf hin, dass Standard Oil auch die US-Streitkräfte mit Treibstoff versorge....

Im März 1942 bat das Pentagon Präsident Roosevelt, die Ermittlungen gegen Standard Oil auszusetzen, um die Kriegsproduktion nicht zu gefährden. Roosevelt stimmte zu. Gegen Zahlung einer Geldstrafe von 5.000 Dollar und dem Versprechen, die Nazis nicht weiter zu beliefern, wurde das Verfahren eingestellt. Farish musste sich jedoch vor einem Hearing im US-Senat verantworten, das der spätere US-Präsident Truman leitete, der von „Verrat“ sprach. Farish in der Anhörung: „Unsere Verträge (mit der IG Farben) sollten von 1929 bis 1947 gelten. Sie, Gentlemen, werden verstehen, dass Verträge wie diese nicht unwirksam werden, nur weil die Regierungen der Vertragsparteien gegeneinander Krieg führen. Die Vertragspartner müssen statt dessen einen Weg finden, um mit ihrem eigenem Geschäft fortzufahren.“

Während sich auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs die Soldaten gegenseitig umbrachten, suchte die Industrie also einen Weg, um „mit ihren eigenen Geschäften fortzufahren.“ Keine einfache Sache, denn der US-Kongreß beschloss gegen den Widerstand der Konzerne den Kriegseintritt und vereitelte den Pakt der Erdölindustrie mit den Nazis. Für Standard Oil eine herbe Niederlage. Wie nun mit den „eigenen Geschäften fortzufahren“? Einen eigenen Geheimdienst gründen? Einen Dienst, bei dem nicht so sehr die nationale Sicherheit im Vordergrund stand, sondern das Geschäft?

Bisher ist über einen solchen „Dienst“ nicht bekannt geworden. Aber vor kurzem sind in einer Scheune in Virginia Akten aufgetaucht, die der CIA übergeben wurden. Sie lassen auf die Existenz eines „Dienstes“, eines Kommunikations- bzw. Nachrichtendienstes, namens „the pond“ schließen. Gegründet wurde „the pond“ 1942, also just in dem Jahr der Ermittlungen gegen Standard Oil.

Noch sind die Akten von „the pond“ nicht geordnet, so die CIA, die mir aber Auskunft über mögliche Verbindungen von Mosetti zu „the pond“ für 2.880 Dollar überlassen wollte.

Der Kaukasus-Feldzug dauerte fünfeinhalb Monate. Ab Mitte 1942, als Standard Oil in den USA das Ermittlungsverfahren und das Senatshearing über sich ergehen lassen musste, kam der Treibstoffnachschub ins Stocken. Im Januar 1943 war die Niederlage besiegelt.

Standard Oil wollte über neutrale Länder Treibstoff an die Nazis liefern. Standard Oil of New Jersey schickte ihren jungen Juristen William Negley aus ihrer Rechtsabteilung nach Venezuela, das schon damals vor Öl nur strotzte. Und die SOCONY-Vacuum Oil Company kommandierte 1940 nach Argentinien ab: William Mosetti, 1914 in Triest als Sohn des Direktors der Reederei Lloyd Trestino geboren. Er war Offizier im Abessinienkrieg Mussolinis, danach bei General Motors, bei Ford in Köln und ab November 39 fing er bei SOCONY an.

Argentinien hatte eigenes Erdöl und war weder am Ex- noch am Import interessiert. Und die im Dezember 1942 in den USA gegründete „Petroleum Administration of War“ rationierte Benzin und verhinderte, dass Erdöl in feindliche Hände geriet. Sie musste jeden Export genehmigen. Mosetti machte Druck. Am 25. März 1942 kabelte die US-Botschaft in Buenos Aires nach Washington: „Große Mengen Rohöls werden von den argentinischen Niederlassungen von Standard Oil of New Jersey und Socony Vacuum importiert. Ein Einschnitt würde sie gegenüber der Konkurrenz benachteiligen, die Rohöl vor Ort einkaufen.“

Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Alliierten kontrollierten die Seewege, und nur wenige Tanker kamen nach Franco-Spanien durch.

Standard Oil schaltete auf Schadensbegrenzung um. Mosettis traf im März 1943 in Los Angeles ein und erklärte der Einwanderungsbehörde, dass er fortan für die Alliierten kämpfen wolle. Ein „prominent businessman“, wie es in den Akten heißt, setzte sich für ihn ein. Innerhalb weniger Wochen bekam Mosetti die US-Staatsbürgerschaft. Am 18. Mai 1943 zog ihn die US-Army ein und bildete ihn in Camp Crowder im Nachrichtenwesen aus. Er wurde in Nordafrika stationiert und bereitete die Invasion Italiens vor.

Konnte Mosetti, wie er später erzählen wird, Daimler Benz vor der Zerschlagung retten? Eine Liste des militärischen Geheimdienstes mit dem Titel „For Destruction“ führt Rüstungsbetriebe, darunter Daimler Benz, auf, die zerstört werden sollten. Doch weder Daimler noch die Raffinerien von Standard Oil in Deutschland wurden zerstört. Lediglich 20 Prozent seiner Maschinen seien zerstört worden, schreibt Daimler in seiner Firmengeschichte. Und die Hamburger Vacuum Oil gibt „eine gehörige Portion Glück“ dafür an, dass sie von alliierten Bomben kaum getroffen wurde. Von einer schützenden Hand in den Schaltstellen der Alliierten, die größere Zerstörungen verhinderte, ist nicht die Rede.

Im Juni 1946 wurde Mosetti aus dem aktiven Dienst der US-Army entlassen und kehrte zur Socony-Vacuum (inzwischen Mobil Overseas Oil Company) zurück. In Leopoldville, Belgisch Kongo, heuerte ihn Daimler-Benz an und schickte ihn nach Buenos Aires. Am 29. April 1960 ernannte die Aktionärsversammlung Mosetti zum Generaldirektor von Mercedes Benz Argentina. Und zwölf Tage später verschwand Adolf Eichmann, Arbeiter bei Mercedes Benz und vormals Angestellter von Vacuum Oil. Am 23. Mai gab Premierminister David Ben Gurion bekannt, dass sich der Kriegsverbrecher in israelischer Haft befand. Über seinen früheren Arbeitgeber Standard Oil schwieg sich Eichmann aus, zumindest wurde darüber nichts bekannt.

Mosetti schied 1975 bei Mercedes Benz aus. Seine letzte Anstellung war die US-Botschaft in Bern. Er starb 1992 in der Schweiz.

Exxon_Mobil erklärten auf meine Anfrage, dass sie Mosetti in ihren Archiven leider nicht finden konnten, und DaimlerChrysler behauptete jahrelang, seinen Namen nicht zu kennen.

Die Konzerne können sich diesen Zynismus erlauben. Die Informations-Zugangsgesetze gelten nur für staatliche Stellen, nicht für Privatunternehmen.

Aber die Frage, heute wie 1942, steht im Raum, wie die demokratischen Kräfte mit der Raffgier der Corporates umgehen, vor allem wenn sie gegen Gesetze und gegen die Nationale Sicherheit verstösst. 1942 beging die US-Regierung den historischen Fehler, die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Standard Oil einzustellen und auch nach dem Krieg nicht mehr aufzunehmen.

Der Fehler wurde fortgesetzt bei der Geldwäsche. Zweimal hat die Regierung der Vereinigten Staaten begonnen, dem Verbleib des während des Zweiten Weltkriegs versteckten Nazi-„Goldes“ auf die Spur zu kommen. Mit der Operation „Safehaven“ suchten die Alliierten nach deutschen Firmen, die ein Konto in der Schweiz unterhielten. Doch „Safehaven“ schlief 1947 ein. Im Kalten Krieg wollte man künftige Verbündete nicht verprellen. Und in den neunziger Jahren unternahm der US-Staatssekretär Stuart Eizenstat einen zweiten Versuch. Alle Behörden, auch CIA und FBI, mussten für seinen umfangreichen Bericht mit dem Titel „Geldwäsche von Nazigold“ ihre Archive öffnen. Doch Eizenstat ermittelte nichts, was nicht schon bekannt gewesen war. Weder ein Hinweis auf die „Geldwäsche“ von Daimler Benz in Argentinien, noch ein Hinweis auf William Mosetti, obwohl die Beschlagnahmung des Imperiums von Jorge Antonio über Jahre die Schlagzeilen beherrscht hatte und auch der CIA nicht entgangen sein kann. Die deutsche Industrie zahlte zehn Milliarden Mark für die Zwangsarbeiter. Das Thema war vom Tisch und wurde wieder zum Tabu.

Im Moment werden in den USA die Karten neu gemischt, der von den Demokraten kontrollierte Kongress versucht, den Irakkrieg zu beenden und die Bedingungen dafür zu schaffen, Ermittlungen gegen George W. Bush in die Wege zu leiten. Doch wahrscheinlich wird hinter den Kulissen, fern der Öffentlichkeit und der demokratischen Kontrolle, doch wieder nur geschachert und die Verbrechen unter den Teppich gekehrt.

Der Pakt von Standard Oil mit den Nazis
http://de.indymedia.org/2007/04/172951.shtml

Donnerstag, 11. Februar 2010

Für die Sicherheit Israels kooperieren wir sogar mit dem Teufel

In einer Villa in Pullach bei München, in der einst Hitlers Parteikanzleichef Martin Bormann residierte, besiegelten an einem Wintertag Anfang der 60er-Jahre ein früherer Nazi-Geheimdienstchef und ein Überlebender des Holocaust die geheime Zusammenarbeit des deutschen Bundesnachrichtendienstes mit dem israelischen Mossad.

Shlomo Shpiro
Die Wache an der Einfahrt zum Gelände des Bundesnachrichtendienstes in Pullach nimmt Haltung an, als die zwei Autos das Tor erreichen. Ein kurzer flüchtiger Blick ins Wageninnere, dann öffnet sich die Einfahrt zu dem Gelände. Die beiden Fahrzeuge rauschen über eine Betonstraße, vorbei an Elektrozäunen und Wachhunden. Vor der "Doktor-Villa", wo einst Hitlers Parteikanzleichef Martin Bormann residierte, stoppen die Wagen. Dem ersten Auto entsteigt ein kleiner, unscheinbarer Mann, stapft durch den Schnee auf eine Gruppe wartender Männer zu und wird von ihnen mit Handschlag begrüßt.

Die streng geheime Begegnung in der ehemaligen "Rudolf-Heß-Siedlung" an der Pullacher Heilmannstraße, seit 1955 Domizil des Bundesnachrichtendienstes (BND), fand im Winter 1960/61 statt. Es war die Hochzeit des Kalten Krieges. Das Treffen, dessen genaues Datum und Zustandekommen bis heute so gut wie nicht bekannt geworden ist, markiert einen historischen Schnitt in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem damals noch jungen Staat Israel.

Denn der kleine Mann, der so respektvoll von der BND-Führung in Pullach empfangen wurde, war Isser Harel, Chef des israelischen Nachrichtendienstes Mossad. Sein Besuch galt Reinhard Gehlen, dem damaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und früheren Chefspion Hitlers im Wehrmachtsgeheimdienst Fremde Heere Ost. Der Besuch war der offizielle Beginn einer kurz zuvor zaghaft begonnenen geheimdienstlichen und militärischen Kooperation zwischen Deutschland und Israel, die nun schon mehr als vier Jahrzehnte andauert.
Als das Treffen in Pullach stattfand, unterhielten Israel und Deutschland trotz des Wiedergutmachungsabkommens von 1952 keine offiziellen Beziehungen. Die öffentliche Meinung im Judenstaat war dagegen zu frisch waren noch die Erinnerungen an den Holocaust, dem Millionen von Juden zum Opfer gefallen waren. Israelische Pässe trugen den Stempel "Zugelassen für alle Staaten außer Deutschland".

Unter den israelischen Geheimdienstoffizieren waren aber viele, die bei allem Schmerz über die Vergangenheit schon an die Zukunft dachten. Sie waren überzeugt, dass die Beziehungen nach Deutschland entscheidend sein würden für die Sicherheit ihres jungen Staates und eine erfolgreiche Geheimdienstarbeit.

Und auch beim BND gab es nicht wenige, die sich für eine Liaison mit dem Mossad zu interessieren begannen. Gehlen hatte vor allem der Anteil des Mossad am erfolgreichen Sinai-Feldzug der Israelis beeindruckt. Auch wusste er um das fein gesponnene Netz von israelischen Agenten in Osteuropa, von deren Erkenntnissen er gern profitieren wollte.
Schließlich war es Gehlen, der die Initiative übernahm. Er beauftragte einen Vertrauensmann, Deckname "Dr. Schmidt", den Kontakt mit den Israelis zu suchen und das Interesse der Deutschen für eine Zusammenarbeit zu signalisieren.

Der Mossad-Chef Harel, der viele Angehörige durch den Holocaust verloren hatte, sah zwar das Potenzial für eine Zusammenarbeit. Aber er war gleichzeitig besorgt über die sowjetische Infiltration des Gehlen-Dienstes und die engen Beziehungen Pullachs zu arabischen Staaten. Harel billigte deshalb zunächst eine begrenzte Zusammenarbeit, um die Möglichkeiten und die Aufrichtigkeit des BND zu testen, den Mossad bei Operationen in Osteuropa zu unterstützen.
Harel ließ dazu zunächst BND-Agenten beauftragen, bestimmte Informationen zu sammeln und sie Israel zukommen zu lassen. Tatsächlich lagen diese Informationen dem Mossad aber bereits vor. Auf diese Weise wollten die Israelis die Zuverlässigkeit der Deutschen testen.
Der Test erbrachte zufrieden stellende Ergebnisse. Also beschloss Harel, eine engere Kooperation mit dem BND einzugehen.

Die Möglichkeiten dieser Zusammenarbeit waren auch der Gegenstand jenes Geheimtreffens im Winter in Pullach. "Es war eine seltsame Situation, die ich dort erlebte", erinnert sich Harel in einem Gespräch an die Zusammenkunft. Die Wachen am Tor, die Elektrozäune und die Hunde auf dem Gelände all das habe ihn an ein Konzentrationslager erinnert. Zwischen ihm und Gehlen habe eine Distanz geherrscht, die nicht nur von Respekt getragen worden sei. Doch die Unterschiede und Antipathien zwischen den beiden Geheimdienstchefs standen einer Kooperation nicht im Wege verband Gehlen und Harel doch ihr strenger Antikommunismus und der Wille, gemeinsam gegen die kommunistische Bedrohung in Europa und im Mittleren Osten zu kämpfen.

Dennoch war die Zusammenarbeit heikel. Eines der Hauptprobleme war die Präsenz vieler Offiziere aus Hitlers Geheimdiensten in Gehlens BND, die dort meist leitende Funktionen inne hatten. Auch hatte Gehlen eine Reihe von bekannten Nazis als inoffizielle BND-Mitarbeiter in arabische Staaten entsandt, wo sie wegen ihrer in der Vergangenheit unter Beweis gestellten antisemitischen Haltung mit offenen Armen empfangen wurden.

"Darüber gab es bei uns viele Diskussionen", sagt Isser Harel. Das sei manchmal sogar so weit gegangen, dass er mit der Faust auf den Tisch schlug und seine Leute anbrüllte, "dass ich ihnen sogar befehlen würde, mit dem Teufel zu kooperieren, wenn es der Sicherheit des Staates Israel dienen würde. Wir einigten uns im Mossad schließlich darauf, dass die künftige Sicherheit Israels, das von seinen viel stärkeren arabischen Nachbarn bedroht wurde, wichtiger war als alle unsere Gefühle über die Vergangenheit. " Der Mossad fand sogar Wege, ehemalige Nazis für seine Ziele einzuspannen. So arbeitete Otto Skorzeny, Hitlers Lieblingsoffizier, der während des Krieges in einer tollkühnen Aktion Mussolini aus dessen Gefangenschaft auf dem Gran Sasso befreit hatte, als Waffenhändler für den BND und den Mossad in Madrid. Auch lieferte er beiden eine Vielzahl von Informationen aus dem Milieu der "alten Kameraden".

Doch Skorzeny blieb nicht der einzige Nazi, der mit dem Mossad kooperierte. Nach der spektakulären Entführung von Adolf Eichmann durch den Mossad in Argentinien erkannten viele Nazis, dass sie vielleicht durch eine Zusammenarbeit mit dem Mossad einem solchen Schicksal entgehen könnten.

Die Kooperation zwischen BND und Mossad vertiefte sich nach dem Harel-Besuch in Pullach. Immer häufiger waren Mossad-Offiziere willkommene Gäste in der "Rudolf-Heß-Siedlung" und der "Doktor-Villa" von Martin Bormann, in der jetzt der BND-Präsident residierte.
Gehlens größter Wunsch, selbst einmal im Hauptquartier des israelischen Geheimdienstes begrüßt zu werden, wurde dagegen nicht erfüllt: Die Israelis wollten den Skandal vermeiden, den es gegeben hätte, wenn herausgekommen wäre, dass ein ehemals führender Geheimdienstchef Hitlers im Judenstaat empfangen wurde.

Als Verbindungsoffizier zum Mossad setzte Gehlen seinen langjährigen Adjutanten, General Wolfgang Langkau, ein. Langkau, dessen Dienstname im BND "Langendorf" lautete, war ein hochtalentierter Offizier, der um die Bedeutung Israels für den BND wusste und daher gemeinsame Operationen zwischen beiden Diensten nach Kräften förderte.
Auf der israelischen Seite war der Mossad-Resident in Paris, Shlomo Cohen, für die Zusammenarbeit verantwortlich. Cohen, in Hamburg geboren und ein begnadeter Maler, hatte lange Jahre in Ägypten unter dem Decknamen Jacques Duclos gearbeitet. Tatsächlich hängen noch heute einige Bilder von Duclos in der Ägyptischen Nationalgalerie.

Cohen war ein Meister der so genannten "false-flag operations" (Operationen unter falscher Flagge). Dabei wurden Agenten für den Mossad angeworben, jedoch im Glauben gelassen, sie arbeiteten für ein anderes Land. Geduldet und gefördert vom BND rekrutierte Cohen eine Reihe von arabischen Diplomaten in Bonn, die glaubten, sie arbeiteten für die Nato.
Der BND half auch dabei mit, Mossad-Agenten für einen Einsatz in den arabischen Staaten auszubilden. In einem "sicheren Haus" in München wurden die Mossad-Offiziere in Spionage, Funkverkehr, Geheimschrift und Dokumentenfälschung ausgebildet. Gehlen selbst nahm am Pistolenschießen mit den Mossad-Agenten auf der BND-eigenen Schießbahn teil.
Israel profitierte aber auch noch auf einem anderen wichtigen Gebiet von der Kooperation des Mossad mit dem BND bei der Aufrüstung des Judenstaates. Die streng geheimen Waffenlieferungen der Bundesrepublik an Israel wurden schon damals durch den Gehlen-Dienst abgedeckt. Dabei zog von Anbeginn an einer der für den BND wichtigsten Politiker die Fäden der spätere CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Strauß, damals Bundesverteidigungsminister in Bonn, empfing Ende 1958 mehrmals seinen israelischen Amtskollegen Shimon Peres zu vertraulichen Gesprächen in seinem Privathaus in Zell am See. In der Folge dieser Gespräche gingen deutsche Panzer und Militärfahrzeuge über Drittländer an Israel.

So wurden Panzer, getarnt als zivile Handelslieferungen, nachts im Hamburger Hafen verladen. In Rotterdam lud man die Tanks auf israelische Schiffe um.
Geheime Absprachen erfolgten auch mit Politikern in Italien, wo deutsche Panzer für israelische Bedürfnisse umgebaut wurden. So lieferte Deutschland klammheimlich amerikanische M-48-Panzer nach Italien. Dort hatte der Geheimdienst schon alles vorbereitet, um in der Rüstungsfabrik von Breda die Bewaffnung der Tanks gegen großkalibrigere Kanonen auszutauschen.

Auch mit Frankreich gab es Absprachen zur heimlichen Aufrüstung der Israelis. Danach bezahlte die Bundesregierung Frankreich Geld für die Lieferung von Helikoptern und Flugzeugen, die offiziell aber als französische Hilfeleistung gekennzeichnet waren.
BND und Mossad hatten darauf zu achten, dass die Lieferungen geheim und auch befreundeten Staaten verborgen blieben. Nichts wurde daher schriftlich festgehalten, alle Gelder flossen über Bankkonten, die von Agenten beider Geheimdienste unterhalten wurden. Die gelieferten Waren hatte man so manipuliert, dass nichts auf ihre deutsche Herkunft hinwies.
Ein Bespiel für die strikte Geheimhaltung war die Lieferung zweier Schnellboote von der Burmester-Werft in Bremen an die israelische Marine Ende der 50er-Jahre. Bis zu ihrer Außerdienststellung im Jahre 1980 galten die damals hochmodernen Boote als Produkte einer israelischen Werft. Niemandem fiel offenbar auf, dass Israel Ende der 50er-Jahre überhaupt noch keine Schiffbauindustrie besaß.

Franz Josef Strauß, der bei dieser Zusammenarbeit der beiden Geheimdienste eine Schlüsselstellung inne hatte, wollte mit dieser Kooperation nicht nur die Beziehungen zum jüdischen Staat nach dem Holocaust aufbauen. Er verstand sie vor allem auch als Investition in die Zukunft der deutschen Rüstungsindustrie, weshalb er sich persönlich sehr stark engagierte.
Ein extremes Beispiel dafür ist folgende bislang unbekannte Episode: An einem Abend Anfang der 60er-Jahre rollte eine dunkle Mercedes-Limousine vor das Tor der israelischen Mission in Köln. Die Fenster des Wagens waren mit Gardinen verhangen. Als die Wachen zu dem Fahrzeug gingen, bat der Fahrer, den Verbindungsoffizier des Mossad, Herrn Y. , zu holen. Als Y. kam, stieg der Fahrer aus und übergab ihm einen großen Gegenstand, der in einen Mantel eingewickelt war. "Das ist für die boys in Tel Aviv", sagte der Mann, stieg in sein Auto und fuhr davon.

Der Fahrer der Mercedes-Limousine war Franz Josef Strauß, und er hatte dem Mossad-Residenten eine Panzergranate übergeben, die in Deutschland entwickelt worden war.
Am 6. November 1961 wurde Heinz Felfe, einer von Gehlens engsten Mitarbeitern und zuständig für die Analyse östlicher Geheimdienste, wegen Spionage für den KGB verhaftet. Felfe, ein früherer SS-Obersturmbannführer, hatte seit zehn Jahren als Maulwurf des KGB praktisch das gesamte Spionagenetz des BND in Osteuropa verraten. Die Person, die Felfe überführte, war General Langkau der Verantwortliche für die Zusammenarbeit mit dem Mossad.
Die Kooperation der beiden Geheimdienste gewann nun an zusätzlicher Bedeutung. Über Nacht hatte der BND die meisten Quellen hinter dem Eisernen Vorhang verloren. Felfes Verrat war so umfassend, dass ganze Abteilungen im Pullacher Bundesnachrichtendienst mit einem Mal keine Agenten mehr hatten, von denen sie Informationen bekommen konnten.
Gehlen und Langkau stimmten darin überein, dass sie, bis der BND ein neues Agentennetz im Osten aufgezogen haben würde, auf die Hilfe anderer Dienste zurückgreifen mussten, um der politischen Führung in Bonn auch weiterhin aktuelle Informationen zukommen zu lassen. Doch Gehlen zögerte, mit den Briten oder Franzosen zusammenzuarbeiten, die er als Konkurrenten ansah.

Deshalb setzte er auf den Mossad. Gehlen bot den Israelis Unterstützung auf allen Gebieten an. Er offerierte dem Mossad sogar Kopien des täglichen BND-Lageberichts an den Bundeskanzler, das höchstklassifizierte Dokument in der deutschen Regierung. Als Gegenleistung wünschte sich der BND-Chef Informationen aus der DDR und dem Warschauer Pakt. Auch bot er dem Mossad Unterstützung und völlige Freiheit für dessen geheimdienstliche Aktivitäten in Deutschland an.

Besonders Letzteres war für den Mossad von großer Bedeutung. Denn die Israelis hatten erfahren, dass in den späten 50er-Jahren eine Reihe von deutschen Raketenwissenschaftlern durch den ägyptischen Geheimdienst angeworben worden waren. Diese Wissenschaftler hatten im Hitler-Deutschland am V2-Programm in Peenemünde mitgewirkt. Die Ägypter waren dabei, ein umfangreiches Raketenprogramm zu entwickeln, mit dem sie die großen Städte Israels bedrohen und in einem Krieg bombardieren wollten. Während die Herstellung der Raketen von deutschen Spezialisten in Ägypten geleitet wurde, erfolgte die Forschung und Entwicklung der Technologie an Instituten in Deutschland, die zudem noch Gelder von der Bundesregierung erhielten.

Harel betrachtete diese Aktivitäten als ein großes Risiko für die Sicherheit Israels. Ausgerüstet mit chemischen oder biologischen Sprengköpfen, könnten diese Raketen verheerende Schäden unter der israelischen Bevölkerung anrichten. Harel wies deshalb seine Leute an, die wichtigsten Wissenschaftler aufzuspüren und "sie davon abzuhalten, ihre Arbeit zu vollenden", wie er sagt.

Die Recherchen führten die Mossad-Agenten zu einer Firma in Stuttgart mit dem Namen Intra, ein ägyptisches Tarnunternehmen, das die Zusammenarbeit mit den Deutschen bei der Raketenforschung koordinieren sollte. Harel sah das Problem als ein politisches an und bat Premierminister David Ben-Gurion, einen strengen Protest an Bundeskanzler Adenauer zu senden. Ben-Gurion aber, der die geheimen Waffenlieferungen Deutschlands an Israel nicht aufs Spiel setzen wollte, lehnte den Vorschlag ab. Harel gab daraufhin seinen Posten als Mossad-Chef auf, sein Nachfolger wurde Meir Amit.

Amit, der zuvor dem Militärgeheimdienst vorstand, wies ein ruhiges, aber effektives Ende des "Wissenschaftler-Problems" an. Zum Einsatz kam ein hoch spezialisiertes "hitsquad", ein Einsatzkommando des Mossad, das eine Reihe von Anschlägen gegen die am Raketenprogramm der Ägypter beteiligten Wissenschaftler in Deutschland ausführte.
Ungeklärt ist bis heute, wer das "hitsquad" leitete. Unbelegt, aber auch nicht widerlegt, ist die Behauptung, der spätere israelische Ministerpräsident Shamir habe damit etwas zu tun gehabt. Fest steht, dass Shamir seinerzeit von Harel für den Mossad rekrutiert wurde und eine nicht näher bezeichnete "Sondereinheit" in Paris leitete.

Einige der Wissenschaftler, die in das ägyptische Raketenprogramm involviert waren, verschwanden nach Amits Dienstantritt spurlos. So zum Beispiel der Chef der Firma Intra, der im September 1962 über die Mittagszeit sein Büro verließ und nie mehr wiederkommen sollte. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Auf andere Wissenschaftler wurden Anschläge verübt. Eine Briefbombe explodierte im Büro eines Professors, der in Ägypten arbeitete. Seine Sekretärin wurde dabei schwer verletzt. Ein Ingenieur wurde in Süddeutschland in eine Schießerei verwickelt, er konnte nur knapp dem "hitsquad" entkommen. Andere Beteiligte am Raketenprogramm wurden über ihre in Deutschland lebenden Familien eingeschüchtert.

Gehlen blieben die Aktivitäten des Mossad in Deutschland nicht verborgen. Aber er wies seine Leute an, nichts zu unternehmen, denn die Unterstützung seines BND durch den israelischen Dienst wollte er auf keinen Fall aufs Spiel setzen.

Die Aktionen des Mossad trugen letztlich wesentlich dazu bei, dass bis 1964 die meisten deutschen Wissenschaftler Kairo verließen und sich vom ägyptischen Raketenprogramm zurückzogen. Obwohl die damals entwickelten Raketen im Yom-Kipur-Krieg von 1973 gegen Israel eingesetzt wurden, richteten sie nicht den befürchteten Schaden an das fehlende Navigationssystem der Raketen verhinderte, dass sie einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Krieges nahmen.

Die geheimen Beziehungen zwischen BND und Mossad begannen an jenem Wintertag in Pullach. Als die beiden so unterschiedlichen Männer der einstige Chefspion der Nazis und der Jude, der seine Angehörigen durch den Holocaust verloren hatte übereinkamen, die Vergangenheit zwar nicht zu vergessen, darüber hinaus aber in die Zukunft zu blicken. Sowohl Israel als auch Deutschland profitieren bis heute in enormer Weise von der geheimen Kooperation nicht nur auf dem Gebiet der Spionage, sondern auch auf dem langen Weg der beiden Völker, die Vergangenheit zu überwinden und gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Dr. Shlomo Shpiro ist Assistant Professor an der Bar-Ilan Universität, Tel Aviv, Israel. Seine Spezialgebiete sind Medien, Sicherheitspolitik und Geheimdienste.
Gehlen und Harel verband ihr Antikommunismus und der Wille zum Kampf gegen die kommunistische Bedrohung.

Harel wies an, die Wissenschaftler davon abzuhalten, ihre Arbeit für Ägypten zu vollenden.
GEHEIME AUFRÜSTUNG Von der Anfang der 60er-Jahre durch den Mossad-Chef Isser Harel und den damaligen BND-Präsidenten Reinhard Gehlen beschlossenen Kooperation beider Geheimdienste versprach sich Israel vor allem militärische Vorteile in seinem Verteidigungskampf gegen die arabischen Nachbarstaaten. Tatsächlich half der deutsche Bundesnachrichtendienst mit Strohmännern und Geheimkonten bei der verdeckten Aufrüstung Israels mit. Auch deutsche Politiker mit guten Beziehungen zum BND, wie Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß, waren zu Diensten. Als sich Anfang der sechziger Jahre herausstellte, dass deutsche Wissenschaftler das ägyptische Raketenprogramm unterstützen, beauftragte der Mossad ein spezielles Einsatzkommando mit Anschlägen auf diese Personen in Deutschland. Der BND griff nicht ein, um die Zusammenarbeit mit dem Mossad nicht zu gefährden. Die geheime Kooperation trug schließlich nicht unwesentlich zum Sieg Israels im Yom-Kipur-Krieg von 1973 bei.

Der BND und der Mossad // Reinhard Gehlen (l. ) leitet von 1942 bis 1945 die Abteilung Fremde Heere Ost. Nach dem Krieg wird er der erste BND-Chef. 1974, Ex-BND-Präsident Reinhard Gehlen bei seiner Anhörung vor dem Guillaume-Untersuchungsausschuss.

Hilfe bei der Aufrüstung Israels // 1963, Franz Josef Strauß (M. ) in Tel Aviv mit den Politikern Shimon Peres (l. ) und Moshe Dayan. 1984, Bundeskanzler Helmut Kohl wird von Regierungschef Yitzhak Shamir in Israel begrüßt.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2000/0108/magazin/0001/index.html
oder
http://www.archive.org/stream/NazisBndUndMossad#page/n0/mode/1up